Pressemitteilung am 29. November 2017

Katholische Kirchengemeinde St. Nikolaus beschließt Pfarreientwicklung

Kirchenschließungen und neuer pastoraler Schwung

Essen-Stoppenberg. Die zwei Jahre Vorbereitung auf den am Mittwoch, dem 29. November 2017 getroffenen Reformbeschluss hatten es ganz schön in sich. Im Jahre 2015 hatte der Bischof des Bistums Essen, Franz-Josef Overbeck, den Pfarrgemeinden aufgegeben, neue Perspektiven für die Zukunft der Kirche in den Pfarreien zu suchen - „Pfarreientwicklungsprozess“ lautete die Überschrift. Die Pfarrgemeinde St. Nikolaus, die die Stadtteile Stoppenberg, Katernberg, Schonnebeck, Frillendorf und einen kleinen Teil von Kray umfasst, richtete einen Koordinierungskreis ein. Dieser betrachtete genau die soziale Situation im Pfarrgebiet und das Leben und Wirken der Pfarrei mit ihren Gemeindemitgliedern, Kirchengebäuden und sozialen Einrichtungen. Auch die finanzielle Situation wurde analysiert. „Das Ergebnis war ernüchternd“, sagte Dirk Goedert, einer der vielen, die sich in diesem Prozess ehrenamtlich engagierten. „Viele meinen, die katholische Kirche sei reich. Das trifft aber weder auf das Bistum Essen noch auf die Pfarrei St. Nikolaus zu.“ Trotz sprudelnder Kirchensteuereinnahmen wird die Pfarrei im laufenden Jahr einen Verlust von 188.000 Euro machen, der, wenn nicht gegengesteuert wird, bis zum Jahr 2030 auf jährlich 443.000 Euro ansteigen wird, so dass bereits 2026 alle freien Rücklagen aufgebraucht sein werden. „Wir haben kein Einnahmenproblem, sondern ein Ausgabenproblem“, erläuterte Dirk Goedert die Zahlen. „Die Pfarrei unterhält fünf Kirchengebäude, vier Gemeindezentren und drei Pfarrhäuser. Deren Unterhalt kostet riesige Summen.“

Die 20.000 Katholiken, die zu der Pfarrei gehören, konnten sich in vielfältiger Weise an dem Reformprozess beteiligen. So gab es unter anderem drei Pfarrversammlungen, in denen über den Sachstand informiert wurde und jeder Gelegenheit hatte, seine Meinung zu äußern und sich aktiv an den Planungen zu beteiligen. „Dieses Angebot ist gut angenommen worden“, berichtete Martin Davidheimann, ein weiteres ehrenamtliches Mitglied des Koordinierungskreises, „und die teilnehmenden Gemeindemitglieder haben sich engagiert daran gemacht, Ideen für einen neuen „pastoralen Schwung“ zu entwickeln.“

Am Mittwoch, dem 29. November 2017 haben der für die Vermögensverwaltung zuständige Kirchenvorstand und der Pfarrgemeinderat, der Verantwortung für das Leben in der Pfarrei trägt, das von dem Koordinierungskreis erarbeitete Votum verabschiedet. „Bei der Abstimmung gab es eine Zustimmung von 70 Prozent“, freute sich der Pfarrer von St. Nikolaus, Norbert Linden. „Das ist ein guter Wert, wenn man bedenkt, welche einschneidenden Maßnahmen das Votum vorsieht.“ Im Einzelnen ist geplant, dass die Heilig-Geist-Kirche in Katernberg bis Ende 2020 und die Kirchen St. Elisabeth in Schonnebeck und Heilige Schutzengel in Frillendorf bis Ende 2025 außer Dienst gestellt werden. Die Gemeinde der aus dem Irak stammenden chaldäischen Katholiken, die bislang die Kirche St. Albertus Magnus in Katernberg-Beisen nutzt, wächst stetig und braucht daher mehr Platz, so dass sie ab dem Jahr 2020 in die Nikolauskirche in Stoppenberg umziehen wird. Am Ende wird die Kirche St. Joseph in Katernberg die einzige Pfarrkirche für die gesamte Pfarrei sein. Unberührt von dem Beschluss ist die 1074 geweihte Stiftskirche auf dem Kapitelberg in Stoppenberg. Sie gehört dem Bistum und wird von dem Orden der Karmelitinnen genutzt.

„Ich bin froh, dass wir diesen mutigen Schritt gehen“, sagte Pfarrer Linden, „es geht ja nicht nur ums Geldsparen. Tatsache ist, dass wir viele Kirchengebäude gar nicht mehr brauchen. Seit 1985 hat die Zahl der Gottesdienstbesucher um 70 Prozent abgenommen. Für das Jahr 2030 rechnen wir mit durchschnittlich 785 Personen, die die verschiedenen Gottesdienste an einem Wochenende besuchen. Dafür ist eine Kirche groß genug.“ Pfarrer Linden räumte auf mit dem Missverständnis, dass Kirchenschließung gleichbedeutend sei mit Kirchenabriss: „In den meisten Fällen gelingt es, für eine nicht mehr benötigte Kirche eine gute Nachnutzung zu finden, sei es eine Nutzung für andere kirchliche oder soziale Zwecke, sei es eine Nutzung als Wohngebäude. Ein Abriss ist immer nur die Ultima Ratio.“

Sorge bereitet dem erfahrenen Seelsorger, dass manche, die heute regelmäßige Gottesdienstbesucher sind und sich in vielfältiger Weise ehrenamtlich engagieren, sich zurückziehen wollen, wenn „ihre“ Kirche geschlossen wird. „Ich verstehe alle, die darüber traurig, ja auch verbittert sind. In meinen Gesprächen werbe ich immer wieder um Verständnis und weise darauf hin, dass die Pfarrei in allen Stadtteilen, in denen Kirchen geschlossen werden, präsent bleiben wird.“, sagte Pfarrer Linden. Der Plan sieht nämlich vor, dass es auch künftig in jedem Stadtteil ein Gemeindezentrum geben wird, das von allen genutzt werden kann, so dass beispielsweise Kinder- und Jugendgruppen sich weiterhin wohnortnah treffen können.

Schließlich ordnete Pfarrer Linden die geplanten Veränderungen theologisch ein: „Das zentrale Anliegen der katholischen Kirche ist nicht der Erhalt von Kirchengebäuden, sondern die Verbreitung der Heilsbotschaft Gottes. Wir möchten uns auch weiterhin den Menschen unserer Umgebung zuwenden und die Nähe Gottes erfahrbar machen. Während des Pfarreientwicklungsprozesses gab es eine Vielzahl ermutigender Signale, dass trotz aller Belastungen ein gemeinsamer Aufbruch in eine gute Zukunft gelingen wird.“

Die Pfarrei St. Nikolaus übergibt nun ihr Votum Bischof Overbeck, der das letzte Wort hat. Es wird damit gerechnet, dass die Entscheidung des Bischofs bis Ende März 2018 vorliegt.